Die Lötscher Glocke
Die älteste Glocke im Kirchturm von Lauterbrunnen heisst "Lötscher Glocke". Sie ist auf den Namen Maria getauft und kommt aus der katholischen Zeit von Lauterbrunnen. Die Lauterbrunner sagen, sie hätten die Glocke aus dem Lötschental gebracht. Im Kirchturm von Lauterbrunnen will man noch heute das Gerüst zeigen, worauf die Glocke über den Petersgrat ins Lauterbrunnental gekommen sei.
Im Lötschental hat sich die Sage von einer geraubten Glocke erhalten. Die Lötscher sagen, die Lauterbrunner seien im Sommer während des Bergheuets, als die Dörfer verlassen waren und die Leute auf den Alpwiesen arbeiteten, unbemerkt ins Lötschental gekommen, hätten die Glocke geraubt und über die Berge getragen.
Die Bewohner des Lauterbrunnentales stammen zum grossen Teil von den im dreizehnten Jahrhundert von den Freiherren von Turn ins Lauterbrunnental verpflanzten Lötschern. Als die Lauterbrunner eine Kirche bauten - früher waren sie nach Gsteig bei Wilderswil pfarrgenössig -, haben viele Lötscher an die neue Kirche gesteuert. Wahrscheinlich haben sie die Marienglocke von Lauterbrunnen bezahlt, darum heisst sie die Lötscher Glocke.
LÖTSCHEN
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch