Venediger verkaufen Teufelchen
Es waren vor alters die Venediger im Ruf, mit kleinen Teufelchen, die man „Spiritus familiares" nannte, Handel zu treiben. Um ein ringes Geld waren solche erhältlich und der Verkäufer verhandelte den Geist, indem er ihn in einen Kristall, einen Stein oder einen Fingerring einschloss. Ein Graf erzählte dem Luzernerischen Stadtschreiber Renwart Cysat darüber einst eine sonderbare Geschichte. Seiner Anverwandten einer, ein italienischer Edelmann, war im Besitz eines solchen „geheimen Tüfels". Auf einer Reise zum Heere liess dieser in einer Herberge, wo er übernachtete, den Ring aus Vergessenheit in einer Mauerlücke liegen und reiste ab. Erst nach einigen Monaten konnte er wieder im gleichen Gasthause einkehren und begehrte da in das gleiche Zimmer zu kommen, wo er früher geschlafen. Der Wirt entschuldigte sich, dass es seit jener Zeit hier gar nicht mehr auszuhalten sei, so gehe es da zu mit Poltern und Lärmen. Könnte ihn jemand von dem Übel befreien, so wäre ihm eine hübsche Summe nicht zu viel. Doch der Edelmann wusste dem Spektakel leicht abzuhelfen. Er ging, holte den Ring und weg war aller Spuck.
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.