Hexen, Glocken und Klosterbrand
Im Herbstmonat 1737 starb in Zug eine der verabscheutesten Unholden der Urschweiz, Lisi Bossard, nach qualvollem Leiden den Feuertod. Das Volk in Unterwalden spricht jetzt noch von der „Lisi Bossi" und ihrem Frevel, den sie am Gotteshaus Engelberg begangen habe. Es war am 29. Augstmonat 1729, als daselbst Studenten, wie die Sage lautet, Raketen spielten. Unglücklicherweise fuhren solche in das Gebäude und steckten es in Flammen. Man eilt beim ersten Wahrnehmen zu den Glocken hin, aber o weh, die Stränge ziehen nicht an, sie fallen halb versengt herab, bis auf das Seil an der grossen Glocke, welches allein noch fest hängt und den Glockenmund zum Hülferufen öffnet. Doch war es eben kein Sturmgeläute, wie es sein sollte, und die Talbewohner erkannten die Not zu spät. Daran ist Lisi Bossi Schuld. Sie war um den Weg und hat mit ihrer Schwarzkunst den Raketen die unheilvolle Richtung angezaubert, Brand erregt und die Glocken stumm gemacht. Nur auf die grosse Glocke hatte sie keine Gewalt.
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.