Wie ein fahrender Schüler Ungeziefer vertreibt
In der Göschner Alp gab es sehr viele Kröten und Schlangen, welche bis in die Häuser eindrangen, den Leuten in die Milch hineingingen und in die Kost, oder was immer zubereitet ward. Ja, die Menschen sogar waren bald des Lebens nicht mehr sicher. Das war eine recht grosse Plage. Da zog ein fahrender Schüler des Weges und versprach den Bewohnern der Alp, das Ungeziefer zu vertreiben, wenn jeder Haushälter ihm eine Geiss gebe. Die Gemeinde sagte freudig zu. Auf diesen Vertrag hin nahm der Fahrige ein Pfeiflein aus der Tasche, tat dreimal einen Pfiff und alle Kröten und Schlangen kamen hervor und folgten seinen Schritten über eine Stunde weit, bis zur Sankt Niklausenkapelle, also bis über die Gemeindemarken von Göschner Alp. Hier hielt er still und kündete den Kröten und Schlangen an, wenn je eine wieder die Grenzen nach der Göschner Alp überschreite, sei sie des Todes. Von da an ist die Alp von Kröten frei.
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.