Der Brätschimann
Unterhalb der Alpe ,Bliändu‘ liegt ein Berggut mit Namen Brätschi. Dort soll früher ein kinderloses Ehepaar gewohnt haben, das aber einen Bettelbuben an Kindes Statt angenommen hatte.
Die Frau war eine Plaudertasche. Eines Abends sagte ihr Mann ganz im Vertrauen zu ihr: «Ich habe einen erschlagen und im Keller verborgen, sag’s niemand!» Die Frau versprach es heilig, musste es aber doch dem Buben sagen. Dieser erzählte es im Vertrauen weiter, die Frau ebenfalls, so kam es schliesslich der Obrigkeit zu Ohren.
Der Brätschimann war nicht wenig überrascht, als eines Tages, als er vor dem Hause Holz spaltete, die Obrigkeit zu ihm kam und ihn fragte: «Man sagte uns, du habest einen erschlagen. Stimmt das?» - «Ja, kommt nur und seht ihn!» Dabei öffnete er die Kellertüre und zeigte ihnen einen Ziegenbock, den er erschlagen, ausgeweidet und eingesalzen hatte. Den verdutzten Vorstehern predigte er: «Ich gebe jedem Menschen den Rat, seiner Frau nichts anzuvertrauen, was nicht an die Öffentlichkeit kommen soll. Und dem Bettelbub sagte er: «Du kannst jetzt mit diesen Herren gehen, du hast auch mitgeholfen!»
LÖTSCHEN
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.
siehe auch: "Der Brächtschimann"
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch