Die Beter in der Heilig-Kreuz-Kapelle
Marjosa Fryand, genannt ,Hasufluggji‘, hielt vor Zeiten immer die Totenwache. Als Lohn erhielt sie Kleider, die ,Gottwar‘. Diese wurden gewogen, und so viele Kilo die Kleider wogen, so viele Rosenkränze musste sie für die Verstorbenen beten.
Einmal war sie bei der Rosenkranzandacht in der Pfarrkirche. Nach der Andacht ging sie noch zur Heilig-Kreuz-Kapelle, um noch einen Rosenkranz zu beten. Als sie in die Nähe der Kapelle kam, sah sie dieselbe angefüllt mit Leuten. Sie hörte auch das Murmeln der Beter und konnte diese durch das Fenster sehen. Sie dachte noch bei sich: «Warum sind die nicht zur Rosenkranzandacht in die Kirche gekommen?» Als sie die Kapellentüre öffnete, um hineinzugehen, fand sie die Kapelle leer.
Die Marjosa hat diese Geschichte mehrmals erzählt, und sie war nicht eine, die die Unwahrheit sagte oder sich fürchtete.
GAMPEL
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch