Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Sprung über die Dala

Land: Schweiz
Kanton: Wallis
Kategorie: Sage

Junker Hans Werra von Leuk war ein kühner Reiter. Er hatte sich in Frankreich den Titel eines Ritters vom "Goldenen Sporn" verdient und war um 1563 Meier in seinem Heimatzenden.

Zwischen Varen und Leuk rauschte die Dala durch eine enge, abgrundtiefe Schlucht. Wo die jähen, überhängenden Felsen sich am nächsten stehen, führt noch heute eine Brücke darüber, die einst in Zeiten der Gefahr aufgezogen wurde, und daneben strebt der alte Dalaturm in die Höhe. Einst, so berichtet die Sage, sprengte unser Hans Werra, von Feinden hart bedrängt, zu Pferd von Varen her der Heimat zu. Doch die Fallbrücke war aufgezogen, der Durchgang gesperrt. Es gab nur einen einzigen rettenden Ausweg: den Sprung über den bodenlosen Abgrund. Fürwahr, ein kühnes Wagnis! Aber der tapfere Ritter zauderte nicht, lenkte einige Schritte seitwärts unterhalb der Brücke, und sich Gott befehlend, gab er dem mutigen Streitross die Sporen. Ein mächtiger Sprung - und er war drüben, der schaurige Dalaschlund war überwunden! Gott für die augenscheinliche Rettung dankend, erreichte er, unverletzt und wohlerhalten, sein Familienschloss am Eingang der Bürgschaft Leuk.

LEUK

Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch