Den Weg kreuzen
Es ist gefährlich, mit der Totenprozession den Weg zu kreuzen. Ein waghalsiger junger Mann aus Saas-Grund wollte das nicht glauben, dem wolle er jetzt schon einmal auf den Grund gehen. Ohne Angst legte er sich eines Abends bei der Tschingulstapfu mitten in den Weg. Hier müsse die Totenschar ja vorbeikommen, meinte er.
In der Nacht schlief er ein. Am andern Morgen erwachte er, aber an einem andern entfernten Orte, ganz oben am Trifthorn. Seine Füsse waren dick angeschwollen und zerschunden; sie schmerzten ihn sehr. Wie gelähmt lag der Mann da und konnte nurmehr um Hilfe schreien, denn es war ihm unmöglich, sich zu erheben. Ein Schafhirte hörte ihn und rief im Dorfe Hilfe. Leute aus der Nachbarschaft holten den gestraften Spötter und trugen ihn ins Dorf; dort starb er kurz darauf eines schmerzlichen Todes.
SAAS-GRUND
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch