Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die Kohlen und die Goldstücke

Land: Schweiz
Kanton: Wallis
Kategorie: Sage

In Domo bei Betten sollen Gogwärgini gewohnt haben. In einem Haus unter der Trächa begann dort der unterirdische Gang, der bis hinunter in den Rotten führte. Meine Brüder sind als Hirten noch in diesen Gängen umhergeschliffen.

Einmal erwartete auch eine Gogwärgifrau in Domo ein Kind. Da ging ihr Mann nach Martisberg und bat die Hebamme, sie möge doch seiner Frau beistehen. Die Hebamme machte das, und als die Geburt glücklich vorüber war, füllte das Gogwärgi der Hebamme ihre Schürze mit Kohlen. Sie war überrascht und schätzte die Belohnung nicht gerade sehr hoch; Holzkohlen habe sie zu Hause schliesslich auch genug. Auf dem Heimwege liess sie eine Kohle nach der andern aus der Schürze fallen. Hinter ihr lief das Gogwärgi her, las die Kohlen wieder auf und warnte sie:                  

«Wie meh dass zattscht
Wie weniger dass d hascht!»

Zu Hause angelangt, warf sie die letzten Kohlen unwillig auf die Trächa. Jetzt war jede Kohle ein Goldstück. Sofort machte sie kehrt und suchte auf dem Weg nach den weggeworfenen Kohlen, fand aber keine mehr.

Betten

 

Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch