Erzählen
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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der schlaue Knabe

Land: Schweiz
Kanton: Wallis
Kategorie: Sage

In der Locherpletschu oberhalb Brentschen haben die Gogwärgini einst einen Knaben gestohlen und wollten ihn bei ihren Ziegen und Schafen aufziehen. Damit er ihnen nicht weglaufe, sperrten sie ihn mit diesem Kleinvieh während der Nacht in den Stall. Am Morgen wurden die Tiere auf die Weide getrieben, der Knabe musste aber im Stall bleiben.

Der Hirt war aber blind; er öffnete am Morgen die Türe und tastete Tier für Tier am Ausgang ab, damit der Knabe nicht entwische. Bei jedem Tier sagte er tastend: «Du bischt ghaarts und du bischt ghaarts», und liess sie gehen.

Eines Morgens hängte sich der Knabe an die Wolle eines Schafes und entschlüpfte so der Kontrolle und Gefangenschaft. In einem Galopp gelangte er bis vor die Alpe Brentschen. Weil da gerade drei Schochen Emd auf der Wiese lagen, versteckte er sich unter dem kleinsten, um die Nacht abzuwarten. Kaum war er drin, als auch schon die Gogwärgini auf der Suche waren. Sie durchwühlten den ersten Schochen und auch den zweiten noch. Beim dritten blieben sie stehen und erklärten: «Ist er unter dem grössten nicht, ist er unter dem kleinsten auch nicht!» So ist ihnen der Knabe entwischt.

Ja nun, das erzählte man so.

ERSCHMATT

Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch