Höhlen und Löcher
a) Das Arniloch. Ein alter Mann hat in seiner letzten Krankheit erzählt: Hinter Wolfenschiessen verlässt man die Engelberger-Strasse und gelangt seitwärts über Alpenboden an eine steile Felswand, in die hinein das Arniloch sich weitet. Im Sommer liegt ein Seelein drinnen, im Winter ist es abgeflossen. Mein Vater war daselbst und hat 's gesehen. Er ist auch an der Wand hinaufgeklettert und hat so von unten herauf durch eine kleine Öffnung in einen grossen schönen Saal hinein geschaut, wo eine Menge Säulen prachtvoll glitzerten. Die Wände sind mit Gold, das hier wächst, bekleidet. Einst war ein Bergwerk da, aber jetzt kennt man den seitlichen Eingang gar nicht mehr. Wenn man daherum bei den Leuten um den Weg auf die Arnialpe sich erkundigt, so fragen sie gleich: „Wänd er au is Goldloch?"
b) Man mag vor em Enziloch was immer für Sachen einstreuen - am Morgen drauf ist alles weg und der Platz wieder fein sauber gelegt.
c) Das Mondmilchloch am Pilatus, von den Obwaldnern Mahmilchloch genannt, hatte nach der Sage im Hintergrund eine nun verfaulte Leiter, um in die Tiefe hinab zu dringen, welche bis in die entgegengesetzte nördliche Felswand laufen sollte. Von dort unten herauf, aus der Bründlenalp, meinte man die Herdenglocken zu hören.
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.