Der handabhauende Metzger
a) Als Rudolf von Habsburg dem Abte von Murbach 1291 die Stadt Luzern abgekauft hatte, setzte er über die Luzerner den Baron von Grünenberg, welcher in der Rotenburg, eine Stunde von der Stadt wohnte. Eines Tages schickte der Baron seinen Koch nach der Stadt um Fleisch zu kaufen. Der Metzger fragte ihn, wo er von dem Ochsen wegschneiden müsse, der Bediente möge die Stelle zeigen. Und wie nun dieser das erwünschte Stück mit der Hand berührt, haut ihm rasch der Fleischer die Hand weg. Der Herr beschloss diesen Frevel zu bestrafen. Die Bürger von Luzern kamen ihm aber zuvor. Sie zerstörten das in Mitte der Stadt gelegene Haus des Rotenburgers und hierauf die Veste zu Rotenburg selbst und traten mit den Schwyzern in den Bund.
b) Dieselbe Geschichte spielte in Zug, wo die Bürger dem Burgherrn zu Wildenburg Speis und Trank verabfolgten, aber schlechte Bezahlung erhielten. Darum hieb einst der Metzger einem Knechte des Wildenburgers die Hand ab, mit welcher er vorzeigte, wie jener das Fleisch verschneiden soll.
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.