Das schwarze Huhn
In Melchnau war eine Hexe, die alle Dienstage mit einer Zeine (Korb) voll Eier nach Langenthal zu Markte ging, und doch hatte sie keine Hühner. - Es wunderte die Leute, woher die Frau die Eier habe, und sie passten ihr auf. Ein kleines Mädchen bemerkte nun, dass die Frau im Keller an einer Stange, die in der Wand steckte, einigemale zog, worauf ein schwarzes Huhn kam und in die Zeine Eier legte, bis sie voll war. Dann verschwand es. Als die Frau fort war, probierte dies das Mädchen auch und das Huhn erschien und legte Eier. - Hierauf trippelte ein kleines, grünes Manndli daher mit einem Büchlein und sagte dem Mädchen, es müsse nun seinen Namen in dasselbe schreiben. In der Angst hatte das Mädchen dies gemacht, dabei aber die Worte „Jesus, Maria" ausgerufen. Sogleich ist das Männlein unter heftigem Windesbrausen verschwunden und hat das Büchlein zurückgelassen. Das gespenstige Huhn hörte mit Eierlegen auf.
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.