Der Gugger, Kuckuck
Der Gugger, Kuckuck steht in der teils „unghürigen" teils schicksalverkündenden Vogelwelt in der vordern Reihe: „Holl di d'r Gugger" ist eine Verwünschung, die dich an den Bösen versendet. - Dagegen steht dem, der im Frühling zum ersten Male an einem Orte den Gugger schreien hört, ein Glück bevor. Wer dann Geld im Sack hat, dem geht es das ganze Jahr nicht aus. Anderseits sagt man auch: „Der hört den Gugger nimmer schreien" von jemanden, der bald sterben soll.
Manche Lokalitäten heissen: „Im Gugger". Nicht selten sind sie als gespenstig verrufen, wie „der Gugger" bei Richenthal (Luzern).
In Iberg (Schwyz) hält sich in der Guggern und Hirschfluh der „Guggehu" auf, ein ganz besonderer Vogel, der seit mehreren Jahrhunderten immer der gleiche ist. Früher wollten sie ihn erschiessen, aber sie konnten es nicht, weshalb sie es nicht mehr probierten. Bei Tag soll er nicht sehen, nur bei Nacht. Dann gruchst er auch wie ein kranker Mensch, und es ist deshalb recht melancholisch und unheimlich zwischen jenen Flühen zur Nachtzeit. Dieser Gugger wird offenbar als ein dem Eulengeschlechte verwandtes Tier betrachtet.
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.