Die Eule
Überall ein gespenstiges Tier, macht sie in unsern Gegenden von der Regel keine Ausnahme. Es habe den Vortritt der Schlierehüwel:
Hüwel nennt man in Obwalden und sonst Nachteule, Kauz, Hauri, (Huri, Berner-Dialekt). Der Waldbach Schliera ob Alpnach barg früher in seinen Tannen und Gesträuchen einen schrecklichen „Hüwel". Es war ein verwunschener Mensch. Wenn Jäger nach ihm zielten, so gebärdete er sich so fürchterlich, dass sie nicht schiessen durften. Mehrere junge Jäger mischten sogar unter die scharfe Ladung Malefitzpulver, aber auch dann durften sie nicht losdrücken, oder Hahn und Feuerstein versagten, oder die Kugel verfehlte ihr Ziel, oder das Rohr war krumm, oder zu viel Wind. Kurz, immer und immer Zauberei.
Es gingen sogar Priester mit Jägern hin zum Schlierehüwel, um ihn zu beschwören, aber er gab keine Antwort und so konnten sie ihn nicht erlösen. - Endlich um das Jahr 1620 schoss N. Jmfeld, ihn tot. Ich selbst habe ihn damals gesehen. Er hing mehrere Tage mit ausgedehnten Flügeln am alten Steinstocke. Dieser Hüwel war sehr gross, aber rötlich, nicht grau. - Nachteulen können alt werden, dieses machte bei den abergläubischen Bauern den Schlierehüwel berühmt.
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.