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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Sankt Theodor lässt nicht spotten

Land: Schweiz
Kanton: Luzern
Kategorie: Sage

Wo jetzt am Steig von Hergiswil nach Menzberg neben dem Eremitenhäuschen die Sankt Theodorskapelle zur Gebetsruhe ladet, war anfangs zu Ehren des Heiligen nur ein Bildstock errichtet. Ringsherum war Weide. Eines Abends, als der Hirtenbub seine Herde zusammentrieb, fehlte eine Kuh. Lange suchte er und fand endlich das Tier ruhend vor dem Bilde Sankt Theodors. „Warum hast sie nicht heimgen lassen," sagte er zum Heiligen, den er zugleich bei der Nase ergriff. O weh, die Hand, er kann sie zur Strafe nicht mehr zurückziehen! Erst als man eine Kapelle zu erbauen gelobte, war Sankt Theodor versöhnt und liess den Spötter los.

Eine Version lautet: Wo jetzt die Kapelle steht, war früher das Bild desselben Heiligen an einer Tanne befestigt und wurde einmal von einem andersgläubigen Knechte entehrt. Zur Sühne dieses Frevels und zur Abwendung von Hagel und Viehseuchen, von welchem Übel diese Gegend heimgesucht worden sei, habe man diese Kapelle erbaut.

 

Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.