Das Fräulein von Randenburg
Als die Randenburg noch von kühnen Rittern bewohnt war,... wohnte auch ein frommes Fräulein darin- das pilgerte jeden Morgen noch vor Tagesfrühe den weiten, beschwerlichen weg nach dem Kloster [Allerheiligen], um in der Kirche sein Gebet zu verrichten. Nur ein treuer Hirsch war sein Begleiter und ging, wenn es finster war, mit einer Leuchte in seinem Geweihe durch den dichten Wald voran. Da wird es einst, schon nahe bei der Stadt, von Räubern verfolgt und flieht vor ihnen atemlos, um sich in die sichern Mauern der Stadt zu retten. Aber wie es an das Tor kommt, da ist es nochverschlossen, und schon sind die Räuber ihm dicht Fuße. Da schickt es in der höchsten Not ein inniges Gebet zum Himmel und siehe, ein Engel fährt hernieder, öffnet die Pforte und schließt sie wieder hinter ihm, und das fromme Fräulein ist gerettet. Daher von da an bis auf heute jenes Tor das Engelbrechtstörlein hieß.
Aus: R. Frauenfelder, Sagen und Legenden aus dem Kanton Schaffhausen, Schaffhausen 1933.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch