Der Kapuziner mit der Kräze
Als ich noch ein Kind war, hatten wir einen baumstarken Wägitalerknecht angestellt. Eines Abends, es ging gegen vier Uhr, stand mein Vater zufällig vor dem Haus, als ein Kapuziner, eine Kräze auf dem Rücken, von Näfels herkam. Der Vater begrüsste den Pater und lud ihn ein, bei uns das Vesper einzunehmen. Der Kapuziner lehnte dankend ab. Der Vater liess aber dem Pater keine Ruhe, bis er schliesslich einwilligte. In der Küche stellte er die Kräze ab. Der Wägitaler, der schon am Tische sass, fragte: «Händer schwär glade, Pater?» Der Pater lächelte nur und sagte: «Ja, ihr vermögtet sie nicht zu tragen!» Da lachte der Wägitaler überlaut und meinte, er würde das «Körblein» mit dem kleinen Finger aufheben. Der Pater forderte ihn auf, es zu tun. Aber der Wägitaler konnte die Last auch mit beiden Händen nicht einen Zentimeter vom Boden aufheben. Bald brach der Kapuziner auf. Was er in der Kräze hatte? Geister! Die verbannte er ins Tobel.
Quelle: K. Freuler, H. Thürer, Glarner Sagen, Glarus 1953
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch