Die Weinverfälscherin
Ein Mädchen aus Zermatt, das in Aroleid aufgewachsen, fand diese Gegend gar zu wild; es wandelte darum talaus und landab. Nahe bei Sitten mietete es sich an der Landstrasse ein Häuschen und begann den Reisenden Wein auszuschenken. Weil es aber dabei recht viel verdienen wollte, goss es zum teuren Wein gar kunstreich wohlfeiles Wasser.
Nach Jahren fuhr ein Zermatter in Geschäften nach Sitten; er verspätete sich aber so, dass ihn schon ihm Pfynwald die Nacht überfiel. Beim Mörderstein begegnete ihm eine Frauensperson im eiligsten Schritte. Verwundert fragte der Zermatter, wohin sie doch so eile. Seufzend antwortete diese:
Z'Pfinggo-Pfi
Ga scheidu d's Wasser vom Wi.
Wä i geblibu Zermatt am Aroleid,
So chäm i hitu in d'ewigu Freid!»
Als der Zermatter zu seiner gewohnten Wirtin bei Sitten einkehren wollte, vernahm er, dieselbe sei in der Nacht gestorben. — Der schlauen Wirtin wird jetzt in Pfinggo-Pfi Gesellschaft sicher nicht fehlen.
(erzählt von Kaplan Mooser)
Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch