Das Schlossfräulein von der Spitzburg
a) Es gibt verschiedene Leute, die das Schlossfräulein gesehen haben, wie es vor dem Burghügel, an den Schimmel gelehnt, gestanden und wehmutsvoll umhergeschaut habe. Es sei schön weiss gekleidet gewesen und habe einen grossen weissen Hut getragen. Darauf habe es den Schimmel an einem goldenen Zügel zum Loochbrünnlein geführt und dort getränkt.
b) Vor hundert Jahren, als die Leute von Ramlinsburg das Wasser noch im Loochbrünnli holen mussten, begegnete einem Mädchen, das mit einem Zuber voll Wasser auf dem Kopfe das Weglein heraufkam, eine schöne Frau. Sie trug einen lila-seidenen Rock und in der Hand ein Bund Schlüssel. Sie sagte: «Du bist das Mädchen, das mich erlösen soll. Komm mit mir, ich zeige dir viel Geld und du brauchst deiner Lebtag nicht mehr zu arbeiten. 700 Jahre habe ich die Schlüssel gehütet und bin nicht erlöst worden.»
Da liess das Mädchen vor Schreck den Zuber fallen und lief fort. Die Schlossfrau rief ihm weinend nach: «Heute hätte ich erlöst werden können. Nun muss ich wiederum 700 Jahre die Schlüssel hüten.» Dann ging sie zum Alt-Schloss hinunter, und das Mädchen sah beim Zurückschauen, wie sie in einer Wölbung des Bodens verschwand.
Spitzburg
Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.