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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der verunglückte Leichentransport

Land: Schweiz
Kanton: Basel
Kategorie: Sage

Am 7. Juli 1911 sollte der Fuhrmann J.D. aus Nünningen im Spital Olten die Leiche der verstorbenen Frau A. H.-K. abholen. Der Leichenwagen verliess Nünningen am frühen Morgen und kehrte am Nachmittag über den Unteren Hauenstein zurück, kam aber nicht in Nünningen an. In der darauffolgenden Nacht wurde das Pferd in Bretzwil angehalten; es war leicht verletzt und trug noch Bruchstücke des Geschirrs auf sich. Schliesslich fand man das zerschellte Fuhrwerk am Steilhang unterhalb der Holzenbergstrasse und den Fuhrmann erdrückt neben dem ebenfalls beschädigten Sarg.

Nach dem Unglücksfall wurde gemunkelt, die Holzenberggeiss habe durch ihr Schreien das Pferd erschreckt. Von anderen wird erzählt, ein Nunninger habe lange Zeit später auf dem Totenbett gestanden, für das Unglück verantwortlich zu sein. Er sei ein Feind des Fuhrmanns gewesen, habe ihm in jener Nacht im Holzenberg aufgelauert und das Pferd zum Scheuen gebracht.

Später begann es an der Unglücksstelle zu spuken. Passanten hörten nachts ein Pferdegewieher, ohne etwas zu sehen. Es kam so weit, dass Bretzwiler Fuhrleute, die Leichen im Kantonsspital Liestal abholen mussten, auf keinen Fall nachts über den Holzenberg fahren wollten.

Ziefen

Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.