Der Zwerg in den Hürlenen
Ein Plaffeier hirtete einst in den «Hurleni». Als er an einem Spätherbst Nachmittag nach der Gypsera hinabstieg, um Lebensmittel einzukaufen, brach unerwartet ein heftiges Gewitter los. Der Regen strömte in dicken Strähnen aus den Wolken. Dichte Nebelschwaden krochen aus den Schluchten und Gräben und machten es dem Bergler schwer, den richtigen Pfad zu finden. Aus dem stockdicken Nebel heraus rief ihm eine Stimme: «Hier! Hier!» Bald hörte er den unsichtbaren Rufer rechts, bald links, immer wechselte er den Standort. Es war ein Wichtelmann, der den Sennen zum Besten hielt. Darum beschloss der Hirt, in der nahen Alphütte «Galuzzi» einzukehren und dort zu nächtigen. Am andern Morgen wollte er seine Fahrt fortsetzen. Im dichten Bergheu fand der Mann ein warmes Nachtlager. Fast die ganze Nacht dauerte der Regen.
Wie gross war das Erstaunen des Hirten, als er am folgenden Morgen beim Verlassen seines Nachtquartiers draussen die Bergweiden mit einer dicken Schneedecke überzogen fand. Eine Seltenheit, im Oktober schon so starken Schneefall zu erleben! Mühsam stampfte der Senne durch die Schneemassen seinem Ziele zu. Er deutete jetzt das Rufen des Bergmännleins als Vorboten des bevorstehenden Wettersturzes.
Quelle: Pater Nikolaus Bongard, Sensler Sagen, Freiburg 1992.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.