Mutabor Märchenstiftung

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Zwei Männer und zwei Esel

Land: Eritrea
Kategorie: Schwank

Es trafen sich einmal zwei Männer auf der Strasse, die beide einen Esel mit sich führten. Die Männer begrüssten sich und plauderten miteinander. Auch die Esel begrüssten sich und schienen miteinander zu plaudern, indem sie ihre Nasen zusammensteckten. Das entging den beiden Männern nicht und der eine fragte: «Sag mal, was haben sich die beiden Esel eigentlich zu sagen?»
«Weisst du das denn nicht?», fragte der andere. «Die Esel haben den stärksten von allen Eseln als Boten zum Herrn geschickt, um zu fragen, wann er sie endlich von der Tyrannei der Menschen befreit. Immer, wenn sich zwei Esel treffen, fragen sie einander, ob der Bote schon mit einer Antwort zurückgekehrt sei.» Da die Esel bis heute die Köpfe zusammenstecken, wenn sie sich treffen, warten sie wohl noch immer auf den Boten, der ihnen die Freiheit bringt.

Märchen aus Eritrea, Fassung Djamila Jaenike, nach: E. Littmann, Tales, Customs, Names and Dirges oft he Tigre Tribes, Vol. II, Leyden 1910, © Mutabor

In Eritrea, dem Land im nordöstlichen Afrika, sind Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung. Jahrelange Zwangsrekrutierung, grundlose Inhaftierung und die Unterdrückung von Minderheiten bringen Zehntausende von Menschen jedes Jahr dazu, den gefährlichen Weg der Flucht zu wagen.