Erzählen
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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die Mutter züchtigt ihr verstorbenes Kind

Land: Schweiz
Kanton: Obwalden
Kategorie: Sage

In einem Hause Obwaldens lebte einst ein acht oder neun Jahre altes Kind, das sehr ungehorsam und widerspenstig war. Die Mutter sah wohl den Starrsinn ihres Kindes, vermochte es ober nicht über's Herz zu bringen, es zu züchtigen. So lebte dieses Kind einige Zeit und verübte viel Böses. Dann wurde es krank und musste sterben. Nach dem Begräbnis zerbrach aber das Kind seinen Totensarg und streckte seinen rechten Arm zum Grabe hinaus, sodass die Leute darüber erschraken und sich verwunderten. Die Eltern versuchten alles, dass ihr Kind den Arm zurückziehe; aber nichts wollte helfen. Endlich sagte jemand den tiefbekümmerten Eltern: „Ihr habt die Rute zu sehr gespart, zur Strafe dafür muss die Mutter jeden Tag zum Grabe ihres Kindes hingehen und mit der Rute auf die Hand schlagen bis es sie zurückzieht." Die Mutter tat so und das Mittel half.

Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch