Der Ritter von Sankt Silvester
In einer kalten Winternacht waren Reiter auf dem Weg Richtung Plaffeien. Es war ein Ritter auf seinem reich geschmückten Pferd mit seinen drei Söhnen und einem Diener. Sie hatten es eilig und ritten in die Nacht hinein, als der Diener stürzte und blutend im weissen Schnee zu Tode kam.
«Weh mir», klagte der Ritter, «das ist ein Zeichen!» Denn der Ritter war auf der Suche nach einem ruhigen Ort, wo er nach vielen blutigen Schlachten neue Schlösser bauen und in Stille und Frieden alt werden konnte.
Er beschloss an diesem Ort drei Burgen mit Wachtürmen zu errichten. Bald waren die Schlösser fertig und die drei Söhne zogen nach Tscherla, Tscherlu und Tschüpru.
Lange Zeit lebten sie ruhig in der Gegend, kaum jemand wusste etwas über sie, nur die Knechte und Mägde gingen ein und aus.
Doch der alte Ritter fand keine Ruhe. Immer wieder erzählte er von seinen Schlachten, und eines Tages nahm er sein Schwert, wollte zeigen, wie er seine Gegner getötet hatte, und verletzte sich dabei so schwer, dass er starb. «Blut», rief er, als er im Sterben sah, wie sich der Boden rot färbte.
Seit dem Tod des Ritters wurde auf allen drei Burgen Blut gesehen. In Tscherla schien es jeden Stein zu durchdringen. In Tscherlu erschien eine blutige Hand auf und in Tschüpru färbte sich der Holzboden rot.
Die Söhne des Ritters hatten keine ruhige Nacht mehr. «Blut, Blut, Blut», hörten sie in ihren Träumen, und in ihrer Verzweiflung verliessen sie schliesslich ihre Burgen. Niemand hörte je wieder etwas von ihnen.
Die Schlösser verfielen, niemand wollte sie bewohnen, und mit der Zeit wurde Stein um Stein abgetragen und in der Nähe neue Häuser gebaut, die, anders als die drei Schlösser Tscherla, Tscherlu und Tschüpru, unter dem Segen Gottes standen.
Neu erzählt von Djamila Jaenike, nach «Le chevalier de Saint-Sylvestre», aus: J. Genoud, Légendes Fribourgeoises, Fribourg 1892. Eingelesen und aus dem Französischen übersetzt von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch