Mutabor Märchenstiftung

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Der rote Geisterhund von Plaffeien

Land: Schweiz
Kanton: Freiburg
Kategorie: Sage

Man erzählt sich, dass vor vielen hundert Jahren ein Geisterhund die Strassen zwischen Bürglen und den Ortschaften an der Warmen Sense unsicher machte. Er hauste in einer Höhle oberhalb von Plaffeien. Wer leise an ihm vorbeiging, hatte nichts zu befürchten, wer aber nachts noch nach der Sperrstunde unterwegs war, erlebte Schreckliches.

Es war an einem Herbstabend, Nebel lag über dem Dorf, als zwei Männer aus dem Wirtshaus torkelten. Sie hatten den Dorfbrunnen erreicht, als plötzlich der rote Geisterhund auftauchte und sie mit feurigen Augen ansah.

Die beiden Betrunkenen riefen ihm zu: «He, du Gassenköter, lass uns durch!»

Da riss der Hund sein Maul auf, Feuer sprang heraus und die beiden Männer ergriffen die Flucht. Sie rannten durch die engen Gassen, der rote Hund wie ein Stier hinter ihnen her. Mit letzter Kraft fanden sie eine unverschlossene Tür, drangen in das Haus ein und baten um Unterschlupf für die Nacht. Zitternd erzählten sie, was sie erlebt hatten, und machten die ganze Nacht kein Auge zu.

Ein anderes Mal war es ein junger Mann, der im Mondschein zwischen Plaffeien und Plasselb unterwegs war, um heimlich seine Geliebte zu besuchen. Als er in Ried ankam, klopfte er an das Fenster des Mädchens, das ihn schon erwartete, und die beiden flüsterten sich zärtliche Worte zu. Plötzlich sah der junge Mann den roten Hund neben sich sitzen, der ihn mit feurigen Augen anstarrte, die Krallen zeigte und die Zähne fletschte. Wütend und erschrocken nahm der junge Mann ein Stück Holz und warf es nach dem Gespensterhund. Doch der rote Hund griff an, Feuer schoss aus seinem Maul. Der Mann ergriff die Flucht. Er rannte so schnell er konnte Richtung Plaffeien. Doch der Hund hetzte ihm nach, sprang ihm von hinten mit den schweren Pfoten auf die Schultern, so dass der junge Mann zu Boden fiel und mit letzter Kraft ein Kreuz vor sich halten konnte. Da verschwand der rote Hund spurlos.

Seitdem trauten sich die Leute von Plaffeien nicht mehr, nach der Sperrstunde betrunken im Dorf herumzulaufen oder gar an die Fenster der jungen Frauen zu klopfen.

Viele Jahre später gelang es einem Mann, den roten Geisterhund in der Nähe des Kirchturms von Bürglen mit seinem Rosenkranz zu berühren. Daraufhin verwandelte sich der Hund in eine schwarze Ziege, deren Fell langsam heller wurde, bis sie ganz weiss war und auf dem Friedhof starb. Seit diesem Tag hat niemand mehr einen Gespensterhund in Plaffeien gesehen.

Neu erzählt von Djamila Jaenike, nach: «Le chien rouge de Planfayon», aus: J. Genoud, Légendes Fribourgeoises, Fribourg 1892. Eingelesen und aus dem Französischen übersetzt von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch