Die Geisterhöhlen im Galterntal
Vom Galterntal erzählt man sich Schreckliches. Ungeheuer, Drachen, Gespenster und Geister sollen dort hausen. Niemand hat sie je gesehen, aber man hört sie in den dunklen Höhlen klagen und stöhnen. Fantumenlöcher, Geisterlöcher, nennen die Einheimischen die Höhlen und wissen viel darüber zu erzählen.
Wehe dem, der nachts an den Höhlen vorbeimusste. Dann kamen die Geister aus den Höhlen und trieben die Reisenden in die Irre. Schlimm war es für alle, die ihre Höfe in der Nähe der Höhlen hatten. Ihre Tiere wurden im Stall wild und im Haus geschahen seltsame Dinge, so dass manches Heiligenbild von der Wand fiel und auf dem Boden zerbrach.
Ein Bauer hatte besonders unter den Geistern zu leiden. Immer wieder fand er ein totes Tier im Stall, oder die fetteste Gans flog davon, oder das beste Huhn ging zum Nachbarn.
Kurzum: Er musste etwas tun. Er holte einen Pfarrer, der Haus und Hof segnete. Dann hängte er an alle Türen Bilder von Heiligen und versprach, jeden Samstagabend in der Kapelle auf dem Weg nach Tafers eine Kerze anzuzünden.
Und wirklich: Es half. Endlich hatte er Ruhe vor den Geistern. Doch einmal kam er sehr spät abends zurück vom Markt in Freiburg. Jeden guten Handel begoss er mit Wein und als er nun auf dem Heimweg war, ging er an der Kapelle vorbei, ohne eine Kerze anzuzünden. Schon am nächsten Morgen bereute er sein Versäumnis, denn sein Esel, der gestern Abend noch munter gewesen war, lag tot im Stall.
Von diesem Tag an, vergass der Bauer die Kerze nie mehr und hatte bis an sein Lebensende Ruhe vor den Geistern im Galterntal.
Neu erzählt von Djamila Jaenike, nach: „Les Fantumenloecher du Gottéron», aus: J. Genoud, Légendes Fribourgeoises, Fribourg 1892. Eingelesen und aus dem Französischen übersetzt von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch