Die Nachtreiter
Foulta war ein Räuber, der im Jura sein Unwesen trieb. Einmal überfiel er einen Wanderer und im Kampf erstach er ihn. Als das Opfer reglos auf dem Boden lag, suchte er in den Taschen des Toten nach etwas Wertvollem, aber das Einzige, was er fand, waren einige wenige Münzen. Wütend liess er den Toten am Wegrand liegen, als er auf einmal Pferdegetrappel hörte. Es kam näher und näher und Foulta ahnte, dass es im jemand auf den Fersen war. So schnell er konnte, rannte er aus dem Wald hinaus, über Wiesen und Felder bis zur Schlucht von Moutier. Dort schwamm er durch den Fluss
und kletterte auf den gegenüberliegenden Felsen. Aber die Verfolger kamen immer näher, es schien, als könnte selbst der Fluss sie nicht aufhalten. Er hörte ihr Wiehern und sah ihre Augen, die leuchteten wie Feuer. Foulta wurde es eiskalt vor Angst. Von Furcht getrieben rannte er weiter bis zum Ende des Tals von Bellelay in den dichten Wald von Lajoux hinein. Doch die Reiter folgten ihm auch dorthin, er konnte den Atem der Pferde schon spüren. Da fühlte er unter seinen Füssen eine Senke, es war die Grotte von Lajoux. Zu spät, da fiel er schon in den schier endlosen Abgrund. Sein Schrei verhallte in der Tiefe der Erde und wurde vom triumphierenden Wiehern der Pferde überschallt. Niemand hat Foulta je wieder gesehen. Doch in besonders dunklen Nächten kann man bei der Grotte von Lajoux Schreie und die Nachtreiter hören. «Das sind die Geister der Gerechtigkeit», sagen dann die Leute, «die den Verbrecher in den Trou de Foulta jagen.»
Fassung D. Jaenike, nach: «Le cavaliers nocturne», aus: Joseph Beuret-Frantz, Sous les vieux toits, Légendes et contes jurassiens. Porrentruy, 1949. Aus dem Französischen übersetzt, und neu gefasst unter Mitwirkung von Michèle M. Salmony Di Stefano © Mutabor, www.maerchenstiftung.ch