Der unglückliche Alpkesseldieb

Land: Schweiz
Kategorie: Sage

Zu den Zauber- und Hexenkünsten gehört auch, wie das Volk allgemein glaubt, die Kunst und die Gewalt, die "Diebe zu g'stellen", d.h. selbe so lange mit der gestohlenen Ware festzuhalten, bis sie entweder vom Eigentümer oder dem G'steller selbst wieder frei gemacht werden. Dieses Gewaltmittel gegen diebische Menschen anzuwenden, glaubt aber das Volk unerlaubt, weil es eine Zauberei und für das Leben und die Seligkeit des Diebes, wenn er nicht rechtzeitig wieder erlöst würde, so gefährlich sei, wofür der Diebsg'steller verantwortlich bleibe. Hier eine traurige Sage:

In der Hochalpe "Pointet", der höchsten im Sanetschtale, von der die vorige Sage soeben erzählt hat, wurde jeden Winter der grosse Alpkessel regelmässig weggestohlen. Das war für die Senntumsgeteilen zu schwerer Verlust, die darum dem neugewählten Alpenvogte befahlen, weil alle andern Vorkehrungen nichts halfen, den neu wieder angeschafften Alpkessel aus der Hütte fortzutragen und sonst irgendwo in Sicherheit zu bringen.

Dem Angestellten fiel dieser Auftrag schwer; er war darum sehr zufrieden als ein alter Soldat, der weit durch die Welt gekommen, versprach, ihm ein Mittel anzugeben, das nicht nur den Alpkessel sichere, aber noch dazu ihm unfehlbar den Dieb in die Hände spielen werde. Nur müsse er fleissig nachschauen, damit der Schelm nicht gar zu lange auf ihn warten müsse. Unser Alpenvogt wandte das vorgeschriebene Mittel an und sah fleissig nach, ob's vom Diebe nicht's zu merken gebe. Lange hatten seine Nachforschungen keinen Erfolg. Da fiel auf einmal schlechtes Wetter ein und klafterhoher Schnee schnitt jeden Zutritt zur Alpe für Monate ab.

Als der Schnee so weit sich zurückgezogen, dass die Ersteigung der Alpe wieder möglich wurde, eilte unser Alpenvogt auch gleich hinauf, um zu erfahren, ob der Alpkessel wieder gestohlen sei. — Und sieh! schon aus der Ferne bemerkte er die Alphüttentüre offen und mit Erstaunen gewahrte er auch bald einen Mann in derselben stehen. Er fand den Dieb wirklich mit dem Alpenkessel auf dem Rücken eben im Begriffe, über die Türschwelle hinauszutreten aber tot und halb vermodert, der gleich zu Boden sank, sobald er mit der Hand den Alpkessel anrührte Der Unglückliche hatte in der Stellung sterben müssen, weil er gebannt zu lange nicht erlöst werden konnte.

Die gleiche Sage wird in deutschen Bezirken des Wallis erzählt, nur lässt man da nicht den Alpkessel, wohl aber den Älpkäs stehlen und den Todten eine schwere Bürde Käs auf dem Rücken in der Türschwelle halten.

 

Quelle: M. Tscheinen, P. J. Ruppen, Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Sagenfreunden, Sitten 1872.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch

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