Märchen und Sagen aus der Schweiz | Mutabor Märchenstiftung

Lassen Sie sich zum Märchen hören einladen:

Erzählkalender abonnieren

 


Warum der Mohn blutrot ist

 

Es ist schon sehr lange her, lange bevor auf den Feldern und Rainen roter Mohn blühte, da lebte eine arme Witwe. Sie hatte nichts auf der Welt als eine alte Hütte und einen kleinen Sohn. Eine Freude war es, den Jungen anzuschauen: Augen wie Sterne, Wangen wie Rosen und Haare wie Gold. Er half der Mutter, wo er konnte. Obwohl die beiden sich nach Kräften mühten, war in dem kleinen Häuschen oft der Hunger Gast. Einmal, als die Witwe erkrankte, wurde es besonders schlimm. «Söhnchen, wir werden Hungers sterben», klagte sie und wusste nicht, was sie tun sollte.

 

Warum der Mohn blutrot ist

 

Es ist schon sehr lange her, lange bevor auf den Feldern und Rainen roter Mohn blühte, da lebte eine arme Witwe. Sie hatte nichts auf der Welt als eine alte Hütte und einen kleinen Sohn. Eine Freude war es, den Jungen anzuschauen: Augen wie Sterne, Wangen wie Rosen und Haare wie Gold. Er half der Mutter, wo er konnte.Obwohl die beiden sich nach Kräften mühten, war in dem kleinen Häuschen oft der Hunger Gast. Einmal, als die Witwe erkrankte, wurde es besonders schlimm. «Söhnchen, wir werden Hungers sterben», klagte sie und wusste nicht, was sie tun sollte. Schliesslich entsann sie sich des reich bestickten Hochzeitstuches in der Truhe. Sie hatte es von ihrer Mutter geerbt. So ein Tuch wurde damals mit Gold bezahlt.

«Nimm es und trag es zum Onkel ins Nachbardorf», bat sie den Jungen. «Er ist reich, er soll uns wenigstens ein Säckchen Mehl und ein Stück Käse dafür geben.»

Der Junge legte das Tuch zusammen, steckte es in die Tasche und brach ohne Zögern auf.

Der Weg war schwer, er führte zuerst durch einen tiefen Wald, dann durch eine Wüste und schliesslich über ein hohes Gebirge. Die Mutter fürchtete, er könne sich verirren oder von wilden Tieren zerrissen werden. Aber der Junge beruhigte sie.

«Bevor die Sonne hinterm Wald untergeht, bin ich zurück und dann wird alles gut!»

Doch die Sonne war schon hinter den Bäumen verschwunden, und der Junge kam noch immer nicht. Die Mutter hielt erst aus dem Fenster nach ihm Ausschau, dann trat sie über die Schwelle, schliesslich warf sie sich ein Tuch über die Schultern und ging ihm entgegen. Die Angst gab ihr Kraft.

«Söhnchen, wo bist du?», rief sie immer wieder.

So durchquerte sie den Wald und die Wüste, so hastete sie die Berge hinauf. Sie achtete nicht darauf, dass ihre Füsse von Dornen und Steinen bluteten und rief mit lauter Stimme nach ihrem Sohn.

Auf dem Gipfel des Berges hörte sie auf einmal eine leise Stimme: «Hier bin ich, Mütterchen!»

Der Junge war auf einem Stein ausgeglitten und in die Schlucht gefallen.

Dort fand ihn die Mutter. Sie nahm ihn in die Arme und küsste ihn liebevoll, dann machten sich die beiden langsam auf den Heimweg.

Aber als sie durch die Wüste gingen, blühten dort, wo vorher nur Dornengebüsch wuchs, wunderschöne rote Blumen. Sie waren aus den Blutstropfen gewachsen, die von den Füssen der Mutter fielen.

Seither blüht der Mohn überall auf der Welt. Am reichsten aber blühte er rings um das Häuschen, in dem die arme Witwe mit ihrem Sohn lebte. Mit den Mohnblumen war das Glück dort eingezogen. Wie durch ein Wunder verschwanden Elend und Not.

 

Märchen aus Rumänien

Aus: D.Jaenike, Blumenmärchen, herausgegeben von der Mutabor Märchenstiftung, 2014

 

 

 

Weiterlesen...

Willkommen bei der Mutabor Märchenstiftung

Impressionen vom Festival "Hereinspaziert"

Warum der Mohn blutrot ist, können Sie rechts im Kasten nachlesen.

Die Märchenzeit 2018 zum Europäischen Jahr des Kulturerbes 

Märchenforum, Ausgabe Sommer 2018