Der Spukgeist auf Kronenberg

Land: Schweiz
Kategorie: Sage

Kronenberg ist eine Alp, jenseits der Sense, auf dem Bernbiet. Vor ca. hundert Jahren soll dort ein Geist sein Unwesen getrieben haben, vom Herbst bis Frühjahrsbeginn. Mensch und Tier mussten unter dem heimtückischen grausamen Wesen dieses Quälgeistes viel erleiden. Besonders im Frühjahr trieb es der Böse gar arg. Wenn die dickleibigen Freiburger Kühe auf die Alp zogen, musste ausgerechnet das beste Stück dem gierigen Ungeheuer zum Opfer fallen. Alle bisherigen Vorsichtsmassregeln erwiesen sich dem versteckten Treiben des Unsichtbaren als unnütz. Kam der Tag der Talfahrt im Herbst, stiess den Meistersennen meistens etwas Ungutes zu. Mancher musste selbst sein Leben drangeben; man fand ihn morgens als Leiche. War es daher verwunderlich, wenn die fette Weide allmählich öde und verlassen blieb, denn keinen Hirten gelüstete danach, hier sein Leben so hinterlistigen Geistern auszusetzen. Und kein Bauer wollte sein Tier als Beute dem Ungeheuer preisgeben. So vergingen mehrere Jahre. Unkraut und Disteln wucherten auf den ehemals so fruchtbaren Triften. Die unbewohnte Sennhütte machte einen traurigen Eindruck. Wind und Wetter hatten dem Bau schon arg zugesetzt. Endlich erbot sich ein junger unerschrockener Bursch, der das Herz auf dem rechten Fleck hatte, wieder als Hirt auf die verfehmte Alp zu ziehen.

Aber vorher erfragte er den Rat eines erfahrenen Mönches. Dieser lieh ihm eine gesegnete Stola mit der Weisung, selbe beim Betreten der Weide der Leitkuh um den Hals zu legen. Der Rat war etwas ungewöhnlich, doch er sollte sich recht wirksam erweisen. Das gleiche Mittel sollte beim Verlassen der Alp im Herbst nochmals beim Hirten selber Anwendung finden. Der junge Hirt tat, wie ihn der greise Ordensmann geheissen hatte. Die Alpfahrt vollzog sich ohne Gefahr. Auch den Sommer hindurch liess sich der Unhold nicht bemerken. Bei der Talfahrt holte der Hirt die Stola des Mönches und legte sie kreuzweise um die Brust. Als alles Vieh und die anderen Hirten den Stafel verlassen hatten, folgte als letzter der Meistersenn. Da entstand plötzlich auf dem Heuboden ein fürchterliches Gepolter, das sich bis zum eben geräumten Stall fortpflanzte. Entsetzt schaute der Senn sich um. Da erblickte er einen verwilderten riesengrossen Mann. Mit zornerfüllten Augen glotzte er den Hirten an und rief voll Wut: «Hättest du den geweihten Fetzen (die Stola) nicht um deinen Hals gelegt, würde ich dich erwürgt haben.» Nach diesen schrecklichen Worten tat der Riese einen weiten Satz und wurde von dem Tag an nie mehr gesehen. Die Alp Kronenberg war von ihrem Plaggeist für immer befreit. Dass der dankbare Hirte nicht mit leeren Händen zum weisen Mönch kam, braucht nicht eigens erwähnt zu werden.

 

Quelle: Pater Nikolaus Bongard, Sensler Sagen, Freiburg 1992.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.

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