Der Rat des Malam

Land: Nigeria
Region: Hausa
Kategorie: Novelle

Ga ta, ga ta nan – seht und hört das Märchen!
Ta zo,mu ji ta – es soll kommen, wir wollen es hören!

Es lebte einmal ein Frau, die war unglücklich, denn ihr Mann war oft grob zu ihr und laute Worte füllten die Hütte. In ihrer Verzweiflung ging die Frau zum Malam, dem Gelehrten des Dorfes. Sie setzte sich vor ihn und sprach: „Malam, bitte gib mir ein Zaubermittel, damit ich über meinen Mann herrsche und nicht mehr er über mich.“
Der Malam überlegte eine Weile. Dann sprach er: „Gut, ich will dir helfen. Aber erst musst du mir die Milch einer Büffelkuh bringen.“
Die Frau erschrak und fragte: „Woher soll ich die Milch bekommen? Die Büffelkühe sind wild und lassen sich nicht melken!“
„Nun, dir wird schon etwas einfallen“, meinte der Malam.
Die Frau ging nach Hause und überlegte lange. Dann nahm sie etwas Kleie, mischte sie mit Bohnen und legte sie in eine Schale. Damit ging sie in den Wald und suchte, bis sie die Büffelherde gefunden hatte. Bald hatte eine der Büffelkühe sie entdeckt. Sie schnaubte, scharrte mit den Hufen und machte sich zum Angriff bereit. Schnell stellte die Frau die Schale mit der Kleie und den Bohnen auf den Boden und sprang davon. Die Büffelkuh rannte wild hinter der Frau her, doch dann roch sie die Kleie, ging zur Schale, frass alles auf und lief wieder zur Herde zurück.
Leise holte die Frau die leere Schale und damit nach Hause.
Am nächsten Tag füllte sie die Schale wieder mit Kleie und Bohnen und ging damit in den Wald. Sie stellte die Schale auf den Weg, wo die Herde jeweils vorbeikam. Schon bald entdeckte die Büffelkuh die Frau, aber sie roch auch die Kleie und anstatt die Frau anzugreifen, ging sie zur Schale und frass das Futter auf.
Jeden Tag brachte die Frau nun Kleie und Bohnen in den Wald. Mit jedem Tag konnte sie sich der Büffelkuh etwas mehr nähern. Endlich hatte sich die Büffelkuh so an die Frau gewöhnt, dass diese sie melken konnte, während sie die Kleie frass.
Glücklich ging die Frau mit der Büffelmilch zum Malam und sagte: „Hier, Malam, schau, ich habe dir die Büffelmilch gebracht!“
Der Malam lächelte und fragte: „Wie ist dir das gelungen?“
„Mit viel Ruhe, Geduld und gutem Essen“, antwortete die Frau.
Da sprach der Malam: „Wenn du dich genauso deinem Mann gegenüber verhältst, dann hast du das Zaubermittel, das du gesucht hast.“
Die Frau ging lächelnd nach Hause. Sie kochte ihrem Mann feinstes Essen, blieb geduldig und ruhig, wenn er streiten wollte und siehe da: Schon bald kehrte Frieden und Glück ein in die Hütte. Deshalb heisst ein Sprichwort: Mit Geduld kann man einen Ochsen an einem dünnen Faden ziehen.

Kungurus kan kusu – weg ist die Maus, die Geschichte ist aus.

Fassung Djamila Jaenike, nach: R. Arnold/I.Herms, Osanyin überlistet die Schildkröte. Märchen aus Nigeria. Leipzig und Weimar 1984. Unter dem Titel: Die Frau, der Malam und der Büffel. Die Eingangs- und Ausgangsformeln sind sinngemäss übersetzt.

The Council of Malam

Ga ta, ga ta nan - see and hear the fairy tale!

Ta zo,mu ji ta - let it come, let us hear it!

Once upon a time there lived a woman who was unhappy because her husband was often rude to her and loud words filled the hut. In despair, the woman went to Malam, the scholar of the village. She sat down in front of him and said: "Malam, please give me a magic remedy so that I can rule over my husband and he can no longer rule over me."

The malam thought for a while. Then he said, "All right, I will help you. But first you have to bring me the milk of a buffalo cow."

The woman was startled and asked: "Where can I get the milk? The buffalo cows are wild and can't be milked!"

"Well, you'll think of something," said the malam.

The woman went home and thought about it for a long time. Then she took some bran, mixed it with beans and put it in a bowl. She went into the forest and searched until she found the herd of buffalo. Soon one of the buffalo cows had spotted her. It snorted, scratched its hooves and prepared to attack. The woman quickly placed the bowl of bran and beans on the ground and jumped away. The buffalo cow ran wildly after the woman, but then she smelled the bran, went to the bowl, ate it all and ran back to the herd.

The woman quietly picked up the empty bowl and took it home.

The next day, she filled the bowl with bran and beans again and took it into the forest. She placed the bowl on the path where the herd passed. The buffalo cow soon spotted the woman, but she also smelled the bran and instead of attacking the woman, she went to the bowl and ate the food.

Every day the woman now brought bran and beans to the forest. Each day she was able to get a little closer to the buffalo cow. Finally, the buffalo cow had become so accustomed to the woman that she was able to milk her while she ate the bran.

Happy, the woman went to the malam with the buffalo milk and said: "Here, malam, look, I've brought you the buffalo milk!"

The malam smiled and asked: "How did you manage that?"

"With a lot of calm, patience and good food," replied the woman.

Then the malam said: "If you behave the same way towards your husband, then you have the magic cure you were looking for."

The woman went home smiling. She cooked her husband the finest food, remained patient and calm when he wanted to argue and, lo and behold, peace and happiness soon returned to the hut. That is why there is a saying: With patience you can pull an ox by a thin thread.

Kungurus kan kusu - the mouse is gone, the story is over.

Fassung Djamila Jaenike, nach: R. Arnold/I.Herms, Osanyin überlistet die Schildkröte. Märchen aus Nigeria. Leipzig und Weimar 1984. Unter dem Titel: Die Frau, der Malam und der Büffel, englische Fassung Lysander Jaenike ©Mutabor Märchenstiftung

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch

In Nigeria, dem Land der Igbo, Yoruba und Hausa, werden über 500 Sprachen und Idiome gesprochen. Mehr als ein Drittel der Bevölkerung lebt in grosser Armut und nach Bürgerkrieg, Hunger und dem Terror der Boko Haram, ist ein grosser Teil der Menschen auf der Flucht.

 

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