St. Urs und St. Viktor

Land: Schweiz
Kategorie: Sage

Nicht die ganze Thebäische Legion war der grossen Metzelei bei Agaunum erlegen. Ihr entgingen unter anderem Viktor und Ursus mit sechsundsechzig Gesellen, und sie verkündeten durch Gottes Schickung in der Stadt Solothurn das Evangelium. Als Kaiser Maximian davon Kunde erhielt, gab er seinem Landvogt Hirtakus in Solothurn den Befehl, die Thebäer zu ergreifen. Der liess sie in schwere Ketten binden und so zusammenschnüren, dass sie sich nicht rühren konnten. Die Schmerzen sollten sie gefügig machen. Hirtakus redete den Gequälten anfangs freundlich und listig zu, ihrem Glauben abzuschwören und sich den blutigen Tod ihrer Mitbrüder Lehre und Warnung sein zu lassen. Doch erklärten alle Gefangenen, die Leiden mit Freuden erdulden zu wollen, und sagten, dass sie dafür selbst Blut und Leben hingeben würden. Darüber ergrimmte Hirtakus und schmähte die Thebäer, dass sie seine Warnung in den Wind schlügen. Er liess sie wieder in Ketten

schliessen und mit allerlei Martern quälen. Doch Gott liess ihr Vertrauen nicht zuschanden werden. In der Nacht des Gefängnisses umfing sie plötzlich heller Glanz. Die Bande und Ketten sprangen auseinander und ihre blutenden Wunden schlossen sich. Die Peiniger und Schergen wurden aber wie durch Blitz zu Boden geschlagen und aller Kraft beraubt. Doch des verstockten Tyrannen Hirtakus Sinn wurde kein anderer.

Er ließ Holz zusammentragen und anzünden, so dass eine gewaltige Feuerflamme aufloderte, und er befahl, die standhaften Thebäer, an Händen und Füssen gebunden, darin zu verbrennen. Doch da schickte Gott einen gewaltigen Sturmwind und alle Flammen erloschen. Doch auch dieses Zeichen steigerte nur die Wut des römischen Landvogtes. Er befahl, den Thebäern auf der Aarebrücke die Köpfe abzuschlagen und ihre Körper in den Fluss zu werfen, so dass diese Aufrührer kein ehrliches Begräbnis erhalten möchten. So geschah es. Leiber und abgeschnittene Häupter wurden in den Fluss geworfen.

Doch Wunder über Wunder! Im Fluss schwammen die Körper ihren Häuptern nach, richteten sich dann im Fluss auf, gingen über das Wasser wie auf trockener Erde gegen das Ufer zu und zogen dann bis zu jenem Ort, welcher noch jetzt etliche hundert Schritt von der Brücke gezeigt wird. Dort ließen sie ihre Leiber und abgeschlagenen Häupter zur Erde sinken, als wollten sie anzeigen, dass sie dort begraben sein möchten. Es soll dies dort geschehen sein, wo jetzt noch die Peterskapelle steht.

Hirtakus aber konnte die Leiber der Thebäer nicht mehr finden.

Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch

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