Der zerbrochene Ring

Land: Schweiz
Kategorie: Sage

Einst lebte auf Falkenstein der Ritter Konrad von Bechburg. Sein Lehensherr war der Bischof von Basel. Da dieser in Bedrängnis geriet, weil ein süddeutscher Graf seine Rechte missachtete, musste Konrad von Bechburg mit seinen Reisigen dem Bischof zu Hilfe eilen. Beim Abschied zog er seinen Ring vom Finger, brach ihn entzwei und gab seiner Gattin die eine Hälfte, die sie zum Andenken aufbewahren sollte. Doch traf danach keine Kunde mehr ein, und schliesslich blieb jede Nachricht über das Schicksal Konrad von Bechburg aus. Nach Monaten kam dann ein abgeschlagener Haufen Soldaten zum Schloss und berichtete, dass Konrad von Bechburg bei der Erstürmung einer Burg gefallen sei. Doch die Gattin wollte solange nicht daran glauben, bis man ihr Kunde vom Grab ihres Mannes gegeben hätte.

Doch auf die Witwe und die blühende Herrschaft hatte Graf Rudolf von Nidau ein Auge geworfen. Er warb um sie und wollte die Gräfin zur Heirat bewegen. Doch sie wies ihn zurück. Da begann Rudolf von Nidau nach dem Grab zu forschen; aber umsonst. Da fasste er den bösen Plan, ein Schriftstück zu fälschen, das den Tod des Ritters von Bechburg beweisen sollte. Das Siegel des Kanzlers wusste er sich zu erkaufen. So wurde dann der Hochzeitstag festgesetzt.

Doch Konrad von Bechburg war nicht tot. Mit seinem Waffenmeister Gerold war er verwundet worden und danach am Aussatz erkrankt. Ein frommer Priester riet ihm, er solle sich auf die Fürbitte des hl. Wolfgang verlassen und zu dessen Grab nach Regensburg ziehen. Der Ritter tat dies und wurde gesund. Am Tag der Wiedervermählung trafen dann die beiden Pilger über den Hauenstein in ihrer Heimat ein. Am Fusse des Schlosses hielten sie an, und der Waffenmeister Gerold sollte die Gräfin von der Ankunft benachrichtigen. Der Waffenmeister konnte sich zu erkennen geben; aber als die Gräfin ihren Gatten in der Bettlergestalt erblickte, glaubte sie sich grausam getäuscht und verhöhnt. Da zog Konrad von Bechburg die Ringhälfte hervor: «Beim Abschied haben wir einst diesen Ring geteilt. Ihr müsst die andere Hälfte besitzen.» Da nahm die Gräfin die andere Ringhälfte von der Kette, die sie am Halse trug, und fügte die Hälften zusammen. Und siehe, beide Teile passten zusammen, als wäre der Ring nie geteilt worden. Da wurden dem Grafen neue Kleider gebracht, der Nidauer wurde verjagt und ein grosses Fest gefeiert. Konrad von Bechburg erbaute aber dem hl. Wolfgang eine Kapelle, wo er von den Wallfahrern verehrt und besonders in Ehenöten angerufen wird.

Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch

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