Der Einfall der Gugler

Land: Schweiz
Kategorie: Sage

Im Winter 1376 wurde unsere Gegend durch einen schlimmen Feind heimgesucht. Ein Franzose, Ingram von Cusi, hatte von seiner Mutter Katharina her, die eine österreichische Fürstin war und zu Königsfelden begraben lag, einige Ansprüche an Herzog Lütpold von Österreich, denen aber dieser nicht entsprach. Ingram sammelte daher in Frankreich aus abgedankten englischen Soldaten und Landstreichern eine Armee von 40000 Mann, und überzog damit das Österreich zugehörige Elsass und Sundgau. Alles Land an der Aar entsetzte sich, als sich diese Armee näherte, die ohne Lebensmittel und ohne Kriegszucht in solcher Stärke durch das Land gezogen kam. Sobald des Herzogs Räte diese Horden, welche wegen ihrer hohen Hüte die Gugler genannt wurden, ihren Marsch nach dem Jura richten sahen, beschlossen sie, ihnen das Vordringen zu wehren. Sie liessen eilends alles Vieh, Getreide und Lebensmittel in die festen Plätze schaffen, die Häuser unbewohnbar machen, viele verbrennen und die Städte und Schlösser in guten Verteidigungsstand setzen. Der Feind drang im Wintermonate 1375 zu gleicher Zeit über den oberen und unteren Hauenstein und rückte durch die Klus und durch den Hag zu Olten unaufhaltsam in das Buchsgau herab. Der Landgraf Rudolf leistete zwar dem Feinde in der Klus kräftigen Widerstand. Aber dieser gewann Oberhand, trieb den Grafen mit seinen Truppen bis Büren hinauf vor sich her, wo er in einem Gefechte von einem Pfeil getötet wurde.

Ein Teil der Gugler setzte zu Olten und Aarwangen über die Aar und bezog dann dies-und jenseits dieses Flusses von Olten bis Büren die Winterquartiere. Aber in diesen litten die Gugler grossen Mangel. Als auch noch einzelne Abteilungen von ihrem Heere zu Fraubrunnen, Buttis- holz, Ins geschlagen wurden, fand Cusi, der in dem Kloster St. Urban sein Hauptquartier genommen hatte, es sei jetzt an der Zeit, dem vom Herzog von Österreich gemachten Antrag Gehör zu geben und wieder nach Frankreich zurückzukehren. Auf dem Wege, auf welchem sie gekommen waren, traten diese Gugler den 14. Jänner 1376 den Rückzug an und verliessen so nach acht Wochen ein Land wieder, das sie durch Abbrennen der Dörfer, Zerstören der Schlösser, Vertilgen der Städte, Weghauen der Obstbäume fast zu einer Wüste gemacht hatten, so dass sich bald darin Wölfe zeigten und in solcher Menge herumzogen, dass niemand vor ihnen sicher war und dass die kleinen Städte am hellen Tage die Tore vor ihnen verschlossen halten mussten. Zwar verliess der grösste Teil dieser Untiere bald das Buchsgau und schwamm über den Rhein nach Schwaben. Aber Hunger und Seuchen plagten noch länger die Buchsgauer. Die von den Guglern zerstörten Städte Klus und Friedau und viele Schlösser wurden nie wieder aufgebaut. Das verbrannte Dorf Kestenholz wurde wieder neu erbaut, wie es scheint zu einem Teile in Kestenholz, zum andern in Neuendorf. Überhaupt waren die Nachteile, welche dem Buchsgaue von diesem gegen Österreich gerichteten Feldzug zuwuchsen, so gross, dass die Leute noch lange hernach davon als von einem unerhörten Unglück ihre Lebensjahre zählten.

Quelle: P. Keckeis, M. Kully, Sagen der Schweiz. Solothurn, Zürich 1987. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch

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