Das Kreuz des Cretzillan

Land: Schweiz
Region: Greyerz
Kategorie: Sage

Die Bewohner des hübschen Dorfes Grandvillard haben schon immer gerne gelacht und sich vergnügt: Aber sie waren gute Christen, die ihren religiösen Pflichten treu nachkamen. Damals, als die Messe noch in der alten Kirche Daada gelesen wurde, ging jeder zum Gottesdienst und betete dort so, wie es vor vier- oder fünfhundert Jahren üblich war.
Alle bis auf einen: einen alten Knauser namens Cretzillan.
Er war nicht gerade ein Ungläubiger, sondern eher ein altes Original, nicht fromm und so unwissend wie ein Wilder, der nichts so tat wie alle anderen!
Zwar ging er jeden Sonntag zur Kirche, aber er war immer der Letzte, und wenn er dort am Rande des Waldes angekommen war, von wo aus man auf der einen Seite die Kirche und auf der anderen Seite das neue Dorf sehen konnte, blieb er stehen, setzte sich hin und blieb dort, bis die Messe zu Ende war. Dann war er der erste, der ins Dorf zurückkehrte. Zwanzig oder dreißig Jahre lang erfüllte er auf diese Weise seine religiöse Pflicht auf beklagenswerte Weise.
Die Ermahnungen des Pfarrers, die Ratschläge der Nachbarn, das Geschwätz der Klatschbasen, die Bemühungen der Dorfvorsteher, die bösen Streiche, die ihm von den jungen Männern gespielt wurden - nichts konnte ihn dazu bewegen, mit den anderen Gemeindemitgliedern in die Kirche zu gehen.
In einer Winternacht riefen Nachbarn eilig den Priester: Cretzillan konnte kaum noch atmen und bat um die letzte Ölung, aber als der Pfarrer eintraf, war der Kranke schon nicht mehr bei Sinnen und er starb wenige Augenblicke später, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Am übernächsten Tag sollte sein Sarg auf den Friedhof von La Daada gebracht werden.
An der Stelle am Waldrand, von wo aus Cretzillan früher die Messe gehört hatte, wurde sein Sarg plötzlich so schwer, dass die vier Träger ihn am Wegesrand absetzen mussten.
Sechs, ja zehn Männer versuchten, ihn hochzuheben: es war unmöglich! Der Sarg war wie am Boden festgenagelt. Dann holte man Pferde und Ochsen, um ihn wegzuziehen. Vergeblich. Die Tiere weigerten sich zu ziehen und waren so ängstlich und angespannt, dass sie in aller Eile ins Dorf zurückgebracht werden mussten.
Allen war klar, dass sich die Hand Gottes gezeigt hatte.
Eine Grube wurde ausgehoben und der Sarg auf den Boden hineingeschoben: Cretzillan wurde an der Stelle begraben, an der er sich dem Gebot Gottes und der Kirche widersetzt hatte, die da heissen: «An den Sonntagen sollst du Gott mit Andacht dienen, an den Sonntagen sollst du die Messe hören und an den Feiertagen ebenso.»
Nachdem alle einen Stein und eine Schaufel Erde auf das elende Grab geworfen hatten, gingen sie traurig ihrer Wege. Von diesem Tag an warf jeder, der an Cretzillans Grab vorbeikam, einen Stein darauf. Und mit der Zeit entstand auf diese Weise ein grosser Hügel.
Dieser Hügel hätte schon ausgereicht, um Generation um Generation an die schreckliche Strafe zu erinnern, mit der Gott diejenigen schlägt, die seinen heiligen Tag nicht ehren. Aber das reichte nicht. In den Quatembernächten erschien Cretzillan, schrecklich anzusehen und jammernd und auf glühenden Kohlen sitzend. Schreckliche Qualen suchten ihn heim. In dunklen Nächten, wenn kein Stern am Firmament leuchtete, wenn die Winde entfesselt waren, wenn Regen, Schnee und Hagel wüteten, wenn lange, fahle Blitze die finsteren Wolken zerrissen und der Donner die Erde erbeben liess, in solchen Nächten also, wenn jeder Mensch Schutz vor dem Wetter gefunden hatten - dann einsam zu sein, von einer unsichtbaren Macht gefesselt, in unermesslichem Schmerz zusammengekrümmt, vergeblich rufend und stöhnend, spürend, wie jeder Knochen seines Skeletts glüht, ohne zu verbrennen, Stunde um Stunde…. Oh, der Arme! Was für ein Leid!
Er erschien als Gespenst am Waldrand zwischen Grandvillard und der Kapelle von La Daada und war der Schrecken der ganzen Gegend. Sein Unglück und sein Wehklagen verbreiteten sich wie eine Welle der Traurigkeit unter der Bevölkerung der Umgebung! Immer wieder stöhnte es wie in einem kläglichen Refrain: «Wenn ich das gewusst hätte! Ja, dort will ich begraben sein! Dort will ich begraben werden! Wenn ich das nur gewusst hätte!»
Und immer wieder brachte er dieselbe Klage vor, unermüdlich, als ob Gebete oder gute Werke ihm nicht helfen könnten!
Die Angst vor seinem Anblick war so groß, dass man einen neuen Pfad durch die Wiesen angelegt hatte, um ihm aus dem Weg zu gehen. Und niemand vergaß, diesen Umweg zu machen, vor allem in den Quatembernächten. Unter Stöhnen klagte er, dass er seine letzte Ruhe nicht im Schatten des alten Heiligtums, das er missachtet hatte, finden könne: Er müsse für seine Sünde dort büßen, wo er sie begangen habe. So wurde er jahrhundertelang zum Schrecken des Landes, um alle, die es ihm gleichtun wollten, zu lehren, welche Strafe ihnen drohte.

Um den unerwünschten Wiedergänger loszuwerden, begannen eines Tages die Männer von Grandvillard, allen voran der Pfarrer, den Grabhügel und das Grab zu durchsuchen, um die Gebeine zu finden und sie in geweihter Erde zu bestatten. Aber ihre Suche war vergeblich; sie fanden keine Überreste des armen Sünders.

Der Hügel wurde wieder hergerichtet, und Cretzillan kam so oft wie früher zurück, um dort zu weinen. Nun wurde ein großes Holzkreuz wurde aufgestellt. Cretzillan kam seltener zurück, sein Stöhnen klang weniger kläglich.
Anlässlich eines alten Kirchweihfestes zogen die Patres und die Bevölkerung von Grandvillard in einer Prozession an seinem Grab vorbei. Von diesem Tag an kam Cretzillan nicht mehr zurück. Aber die Erinnerung an ihn ist noch immer lebendig, obwohl das Geschehen schon so lange zurückliegt. Anstatt des Steinhaufens mit Holzkreuz errichtete man ein Eisenkreuz auf einem Steinsockel. Kein Bewohner von Grandvillard wird jemals an dem neuen Kreuz vorbeigehen, ohne Gott seine Seele und die der Verstorbenen anzuempfehlen.
Dass der arme Wiedergänger die Bevölkerung nicht mehr mit seinen Klagen, seinem Stöhnen und seinen Leiden erschreckt, ist den guten Leuten von Grandvillard zu verdanken, die ihn durch Gebete, Almosen, Wallfahrten und Messen befreit haben!

Nach: Marie-Alexandre Bovet, Légendes de la Gruyère, Lausanne, o. J. Aus dem Französischen übersetzt, und neu gefasst unter Mitwirkung von Christine Reckhaus © Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch

La Croix de Cretzillan
Oh ! le pauvre ! Quelles souffrances ! Pendant les nuits noires, quand aucune étoile ne brille au firmament, quand les vents déchaînés, la pluie, la neige, la grêle font rage, quand de longs éclairs blafards déchirent les sombres nuages et que le tonnerre fait trembler la terre, alors que tout être humain est bien abrité... demeurer solitaire, cloué par une force invisible sur un brasier ardent, recroquevillé dans sa douleur immense, poussant en vain des appels et des gémissements, sentant tous les os de son squelette brûler sans se consumer, de longues heures durant !...

Le terrible supplice que celui de ce revenant qui hantait Cretzillan !...

Il apparaissait au contour du chemin, à la lisière de la forêt, entre Grandvillard et la chapelle de la Daada, là où actuellement une croix de fer, montée sur un socle de pierre, a remplacé l’ancienne croix de bois qui se dressait sur un amas d’innombrables cailloux roulants.

Ce spectre était la terreur de la contrée et ses malheurs et ses plaintes semaient comme une vague de tristesse parmi la population des environs ! Il ne cessait de gémir, comme un refrain lamentable : « Si j’avais su !... Oui, je veux y être enterré ! Je veux y être enterré ! Si j’avais su ! »

Et toujours il reprenait cette même plainte, sans se lasser, comme si prières ni bonnes œuvres ne pouvaient le soulager !

Et telle était l’appréhension que causait sa vue, qu’on avait tracé un nouveau sentier à travers les prés afin de l’éviter et que nul n’oubliait de faire ce détour surtout les nuits des Quatre-Temps !

A l’heure qu’il est, bien que ce soit chose très ancienne, le souvenir du revenant de Cretzillan n’est point effacé, et tout vrai Villardin ne passera jamais devant la nouvelle croix sans recommander à Dieu son âme et celles des trépassés. Si le pauvre revenant n’effraie plus les populations par ses plaintes, ses gémissements et ses souffrances, c’est qu’à force de prières, d’aumônes, de pèlerinages et de messes les bonnes gens de Grandvillard l’ont délivré !

Les habitants de ce coquet village ont toujours aimé le rire et l’amusette : mais de tout temps aussi, ils ont été de bons chrétiens remplissant fidèlement leurs devoirs religieux.

Alors que les offices divins se célébraient encore à l’ancienne église, tout le monde se rendait à la messe et y priait comme on savait prier il y a quatre ou cinq cents ans.

Un seul homme faisait exception, un vieux ladre qui s’appelait Cretzillan.

Ce n’était pas précisément un mécréant, mais plutôt un vieil original, sans piété, aussi ignorant qu’un sauvage, qui ne faisait rien comme tout le monde !

Il s’acheminait bien chaque dimanche vers l’église, mais il était toujours le dernier et, quand il était arrivé au coin de la forêt d’où l’on voyait, d’un côté l’église et de l’autre le nouveau village, il s’arrêtait, s’asseyait et demeurait là jusqu’à la fin de la messe. Il était alors le premier à rentrer au village. Pendant vingt ou trente ans il accomplit ainsi de manière déplorable son devoir religieux.

Remontrances du curé, bons conseils des voisins, critiques des commères, intervention des principaux du village, mauvais tours à lui joués en ce lieu par les jeunes gens, rien ne put le décider à se rendre à l’église avec les autres paroissiens.

Une nuit d’hiver, des voisins coururent à la hâte chercher le prêtre : Cretzillan étouffait et réclamait à grands cris les derniers secours de la religion, mais quand le curé arriva, le malade n’avait plus ses sens et, sans reprendre connaissance, il mourut quelques instants après. Le surlendemain, on transportait son cercueil vers le cimetière de la Daada.

Arrivé près de l’angle de la forêt, à l’endroit d’où Cretzillan entendait la messe d’habitude, son cercueil devint subitement si lourd que les quatre porteurs le laissèrent choir sur le bord du chemin.

On se mit à six, à dix hommes pour l’enlever... Impossible!... il était rivé au sol. On voulut le traîner avec des chevaux, avec des bœufs. Inutile!... les bêtes refusèrent de tirer et elles montraient une telle épouvante et une telle impatience qu’on dut se hâter de les ramener au village.

Tout le monde comprit que la main de Dieu était là.

Une fosse fut creusée et le cercueil roulé au fond : Cretzillan était enterré à l’endroit même où il avait bravé le commandement de Dieu et celui de l’Eglise :

Les Dimanches tu garderas en servant Dieu dévotement,
Les Dimanches messe entendras et les Fêtes pareillement.

Chacun ayant lancé une pierre et une pelletée de terre sur cette tombe misérable, tout le monde se dispersa tristement.

A partir de ce jour, pendant des années et des années, tout passant jetait une pierre sur la tombe de Cretzillan, si bien que cette tombe devint un gros tertre.

Ce tertre eût suffi pour rappeler de génération à génération le terrible châtiment dont Dieu punit ceux qui ne sanctifient pas son saint jour ; mais ce n’était pas assez... Les nuits des Quatre-Temps, Cretzillan se montrait, affreux et suppliant, assis sur un brasier ardent. En de longs gémissements, il se plaignait de ne pouvoir aller dormir son dernier sommeil à l’ombre du vieux sanctuaire qu’il avait dédaigné, mais il devait expier son péché là où il l’avait commis ; il devait, pendant des siècles, être la terreur de la contrée pour apprendre à ceux qui auraient voulu l’imiter comment ils seraient punis.

Afin de se débarrasser d’un revenant aussi incommode, les hommes de Grandvillard, curé en tête, se mirent un jour à fouiller le tertre et la tombe afin de retrouver les os et de les enterrer en terre bénite. Mais leurs recherches furent vaines ; ils ne trouvèrent aucun reste du pauvre pécheur.

Le tertre fut rétabli et Cretzillan revint y pleurer aussi fréquemment qu’auparavant. Alors on y planta une grande croix de bois.

Cretzillan revint moins souvent, son brasier sembla diminuer d’intensité et les gémissements parurent moins lamentables.

Lors d’un jubilé très ancien, les saints missionnaires et la population de Grandvillard passèrent en procession près de sa tombe.

Depuis ce jour enfin, Cretzillan ne revint plus.

Aus: Marie-Alexandre Bovet, Légendes de la Gruyère, Lausanne, o. J. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch

 

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