Der Möörli-Blackvogel

Land: Schweiz
Kategorie: Sage

Rechts vom Giswilerstock hinter den Berggütern Iwi liegt ein herrlicher Tannenwald, der Möörliwald geheissen. Nicht weit davon liegt das Möörli-Seelein. Das Düstere des Waldes und die blaugrüne Farbe des Seeleins, die erhabene Majestät des Giswilerstockes, — alles trägt dazu bei, den Wanderer, der hier vorbeikommt, nachdenklich zu stimmen und in längst vergangene Zeiten zurückzuversetzen.

Ehemals hauste in diesem Walde ein grosser Vogel von Gestalt einer Krähe ähnlich, von den Bewohnern nur der Möörli-Blackoogel geheissen. Er hatte graue Federn, die aber nur infolge seines hohen Alters grau geworden waren. Wie alt er eigentlich war wusste niemand, aber die Bewohner schätzten sein Alter auf viele hundert Jahre.

Dieser Vogel war ein verwunschener Senn von Möörli, der das Vieh traktierte, lästerte und fluchte und die armen Leute mit Hunden von den Hütten jagte. Aber auch in seiner verwunschenen Gestalt als Vogel lieh er die Menschen nicht in Ruhe, sondern belästigte sie, wie und wo er konnte und sprengte das Vieh in Abgründe.

Einmal kamen im Kilchweg drei Nachtbuben an's Fenster während gerade das kleinste Kind entsetzlich weinte. Die Mutter, um es durch Angst zu beschwichtigen, drohte, sie wolle es diesen Nachtbuben geben, wenn es sich nicht ruhig verhalte. Alles ohne Erfolg. Dann nahm sie das Kind und streckte es den Burschen zum Fenster hinaus, worauf es ihr jemand abnahm. Als aber die Nachtbuben ohne Kind in die Stube kamen, war sie sehr untröstlich; die Burschen erklärten, sie hätten das Kind nie angerührt, nur einen grossen Vogel hätten sie vom Hause wegfliegen gesehen. Voll Entsetzen liefen alle vor's Haus und suchten das kaum Dreijährige Kind. Sie fanden nichts und sahen nichts, nur hoch in den Lüsten hörten sie das Jammern des Kleinen, wobei der Ruf gellend durch die Lüfte tönte:

„Im Möörligrabe, det will is gnagä."

Am Morgen, als die Mutter das Haus öffnete, hing das blutige Haar des Kindes an der Türe. Sofort musste ein Knecht nach dem Möörligraben gehen und schauen, ob er da noch Überreste finde; und richtig, auf einer vorspringenden Felsplatte fanden sich die abgenagten Knochen des Kleinen noch yor und der Stein war blutigrot. Er sammelte die Knochen in sein Sacktuch und trug sie auf den Kirchhof.

Trotz aller Jagd auf das Unghür, konnte es nicht erlegt werden. Die Stelle aber, wo der Möörliblackvogel sein Opfer zernagt hat, kann man heute noch zeigen und die Platte heisst der Gnagistein.

Aus: Franz Niederberger Sagen und Gebräuche aus Unterwalden, Sarnen 1924. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch

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