Der Kindlifresserbrunnen

Land: Schweiz
Region: Stadt Bern
Kategorie: Sage

Zu nächtlicher Stunde, wenn kein Schritt die Stille der schlafenden Häuserreihen mehr unterbricht, kein neugieriges Auge die Schatten der Nacht mehr stört, beginnt der Boden des Kornhausplatzes zu leben. Zwischen den Steinen heraus quillt ein feiner, weisser Nebel, breitet sich sachte, leise über den Boden, fängt an zu wallen, zu wogen, ballt sich zu winzigen Wolkengebilden ineinander, zerfliesst wieder in einen dünnen Schleier. Und nach und nach entsteigen ihm kleine, menschliche Gestalten in wallenden weissen Kleidchen. Gleich weissen Schmetterlingen flattern sie auf und nieder, setzen sich bald auf diesen, bald auf jenen Punkt, suchen in neckischem Spiel sich zu erhaschen, sich zu fliehen. Und der Mond, der unbeweglich, klar und voll am dunklen Horizonte über dem Platze steht, beobachtet ihr Spiel, als wollte er es vor Neugierigen behüten.

Die Kinder der Mönche und Nonnen sind es, die, kaum geboren, in einen der unterirdischen Gänge des Kornhausplatzes geworfen wurden, damit die Wogen der Aare sie aufnehmen und weit forttragen sollten. An der Stelle aber, wo die sündhaften Ordensbrüder und -Schwestern in einem unterirdischen Gange sich trafen, da steht der Kindlifresserbrunnen. Anklagend ist er der Gegend zugewendet, in der das Kloster stand, das diese sündhaften Mönche beherbergte.

Aus: Hedwig Correvon, Gespenstergeschichten aus Bern, Langnau 1919

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch

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