Der verbannte Fuchs

Land: Schweiz
Kategorie: Sage

Bei den Leuten1 in der Lehmatt im Schächental kam »es« jede Nacht in den Hühnerkrummen. Mitten in der Nacht entstand unter dem Federvolk ein mächtiger Lärm; die Hühner gackerten und flatterten wild durcheinander, dass niemand mehr schlafen konnte. Kein Mensch wusste, was da regiere, aber mit natürlichen Dingen konnte das nicht zugehen, soviel leuchtete jedem ein. Auf den Rat eines Nachbars steckten sie endlich ein Messer, die Schneide oder die Spitze nach oben gerichtet, in den Boden des Hühnerstalls, und von dieser Zeit an hatten die gefiederten Haustiere Ruhe. Aber jetzt kam es in den Gaden unter das Rindvieh, gerade wie vorher unter die Hühner. Die geplagten Leute gingen zum Pfarrer; aber der wollte sich der Sache nichts annehmen und wies sie zu den zaubergewaltigen Kapuzinern in Altdorf. Deren frömmster kam in die Lehmatt hinauf, die zwei Stunden ob Spiringen an den Bergabhang sanft sich anlehnt; bevor er sich an Speise und Trank erlabt, rückt er dem Spuk auf den Leib; wie er unter der Gadentüre steht, da stürzt plötzlich ein wilder, brennend roter Fuchs hervor, dem Kuttenmann zwischen den Beinen hindurch und über die Wiese einem steilen Rübital zu. Dorthin bannte jetzt der Pater den Geist, oder was es war, der das Vieh beunruhigt hatte, und befahl den Leuten, daselbst ein Kreuz zu errichten. Das taten sie, und das Zeichen der Erlösung steht heute noch dort (19. Jahrhundert).

Kath. Gisler-Müller, 70 J. alt, Altdorf

Wenn man ein Messer mit der Schneide oder mit der Spitze nach oben gerichtet aufstellt, heisst es, das sei den Hexen gerichtet, der Teufel oder die Hexe tanze darauf; aber anderseits auch: das syg der Herrgott 'tratzet, das tue Gott leid, tue den armen Seelen weh usw.

Fußnoten
1 Die Angehörigen dieser Familie wollen von der ganzen Geschichte nichts wissen.

Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.

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