Der bestrafte Kostvergeuder

Land: Schweiz
Kategorie: Sage

Das muss in Attinghausen gewesen sein. Dort hatte eine Mutter einen frechen Sohn, der sich vor nichts fürchtete. Es hauste aber in einem alten Hause der Nachbarschaft ein Gespenst, das viel Schrecken erregte. Die Mutter äusserte nun bei den Leuten den Wunsch, es möchte ihr Sohn mit diesem Gespenst zusammengeraten; sie hoffte, dass er dabei seine Frechheit verlieren möchte. Das wurde zustande gebracht. Eines Abends machte sich der Bursche auf den Weg, und die Mutter gab ihm Kost mit, dass er nicht Hunger zu leiden brauchte während der Nacht. Als nun der Frechling im Gespensterhaus sich Suppe bereitete, erschien auf der Rüesstili ein furchtbares schwarzes Bäuzi und warf einen Haufen Russ in die Suppe hinunter. Der Bursche erschrak aber nicht. »Willst Ruhe haben«, rief er hinauf, »so ist wohl und gut! sonst komme ich«. Jetzt rüttelte und schüttelte sich das Gespenst da oben wie einer, der vor Kälte und Frost erschauert. »Wenn d'fryrsch, so chumm doch zum Fyr,« rief der Bursche. Es kam und setzte sich zum Feuer, und der Bursche, nitt blück! kochte sich eine zweite Suppe. Als sie fertig war, trug er das Gespenst in die Stube und lud es ein, mit ihm zu essen. Es aber, scheinbar zitternd, verschüttete die schöne Suppe. Der Bursche schlug ihm mit dem Löffel auf die Finger und sagte, es solle zur Kost lugen. Wie er ihm zum dritten mal auf die Finger klopfte, stand es auf einmal ganz im Weissen da und sagte, jetzt habe er es erlöst. Dreissig Jahre habe es hier wandlen müssen. Es habe allemal als Kind mutwillig die Kost versudelt, ohne dafür von den Eltern bestraft zu werden. Und jetzt verschwand es. Der Bursche ist aber durch dieses Erlebnis nicht blücker geworden!

Anton Stadler, 70 J. alt, von Bürglen

Quelle: Müller, Josef: Sagen aus Uri 1-3. Bd. 1-2 ed. Hanns Bächtold-Stäubli; Bd. 3 ed. Robert Wildhaber. Basel: G. Krebs, 1926, 1929, 1945

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.

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