Schlosstanne in Wirlingen - Sage

Schlosstanne in Wirlingen

Land: Schweiz
Region:
Kategorie: Sage

Schloss Wirlingen am badischen Oberrhein ist längst zerfallen und Waldbäume wachsen auf seinen Trümmern. Sonst erschien den Kindern dorten eine weissgekleidete Jungfrau in wallenden Haaren, nun lässt sie sich niemals mehr sehen. Die Leute sagen, sie sei erlöst, und da dies erst seit neuerer Zeit sein soll, so suchen sie den Grund ihres gänzlichen Verschwindens in folgender Begebenheit.

Vor einigen Jahren vermissten Eltern des Abends beim Heimkehren vom Felde eines ihrer Kinder; beim Nachforschen fand man es im nahen Bache ertrunken. Dieses Kind ist der Erlöser der Jungfrau gewesen und so sollte es selbst gleichfalls nicht lange ohne den Lohn der Seligkeit bleiben. Das Schicksal der Jungfrau war nämlich an eine der Tannen auf der Ruine geknüpft; dieser Baum aber war gefällt und zur Wiege eben jenes Kindes verschreinert worden, das seinen Eltern so früh verloren gieng. Da nun der Schlossbaum fiel und zur Wiege gemacht wurde, in welchem ein Kindlein bis zum Laufenlernen geschlafen hatte, so war das Schicksal erfüllt. So lautet die wiederholte Versicherung des Dorfschreiners, der sich noch wohl erinnert, jene Wiege gemacht zu haben. (A. Birrcher in Laufenburg.)

Band 1, Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 90

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.