Der Burgvogt von Brunnegg - Sage

Der Burgvogt von Brunnegg

Land: Schweiz
Region:
Kategorie: Sage

Wenn anderes Wetter eintreten soll und besonders wenn die heil. Zeit heranrückt, hören die Leute am Fusse der Brunnegg ein anhaltendes Getöse droben auf der Burg. Man sagt, der Burgvogt reite auf seinem Choli (Rappen) auf die Jagd. Das that er auch einmal im strengsten Winter mit seiner Kuppel Hunde und einem Tross Reisigen. Vor Kälte erstarrten ihnen die Füsse, da fand der Vogt einen armen Holzhacker, erschlug ihn und wärmte im aufgeschnittenen Bauche seine frierenden Füsse. Von dem Augenblicke an brach ein grässlicher Schneesturm los, er muss sie alle zusammen verweht und begraben haben, keiner ist mehr ins Schloss zurückgekommen. Diejenige Stelle, wo der arme Bauer starb, kennt man noch; bis dorthin sprengt der jagende Reiter, dort hört man sein weidmännisches Hop-Hop! verstummen.

Belesene Leute nennen ihn Gessler und meinen, es sei derselbe, der den Tell zwang auf sein eigenes Kind zu schiessen.

 

Quelle: Ernst L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 1 Aarau, 1856, Seite 187

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch