Vom Schalemee zu Wölfliswil - Sage

Vom Schalemee zu Wölfliswil

Land: Schweiz
Region:
Kategorie: Sage

Unser alter Schalemee, das war noch ein Herr! So lange er bei uns Pfarrer war, da hat es nie gehagelt und kein grosses Wasser gegeben. Er konnte das Wetter hinschicken, wo er wollte. Aber das Obst gedieh jedes Jahr, es gab immer viel Wein und Frucht, so dass man fast nicht wusste, wohin damit.

Er konnte auch bannen, und wenn er wollte, so kletterte er auf eine Eiche und schon regnete es Dublonen, Neutaler und Fünfliber bis zur Genüge. Bei meiner Seele – er konnte ein Loch durch einen Strohballen brennen und sogar der Teufel musste ihm gehorsam sein! Wenn es irgendwo brannte, ging er dreimal stampfend um das Haus herum und sprach dazu einen Agatha-Segen. Dann ist das Feuer noch einmal kerzengerade in die Höhe gestiegen und danach ganz plötzlich erloschen.

Aber jetzt können sie nichts mehr, die Pfaffen! Sie können nichts anderes mehr, als beim Tisch mit dem Löffel essen und die Leute auslachen. Heutzutage können sie in Gottes Namen nichts mehr gegen das Wetter machen; sie müssen es einfach zulassen. Man sagt ja viel von den Alten; aber diese waren wahrhaftig noch andere Männer, als die heutigen!

Übersetzt aus der Ober-Fricker Mundart.

Der vermeinte Pfarrer lebte im vorigen Jahrhundert auf der Pfründe zu Wölflinswil im Fricktal, war Jesuite, und hieß Chalomeille.

E. L. Rochholz, Schweizer Sagen aus dem Aargau, Band 2, Aarau 1856

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.