Anna Vögtli - Sage

Anna Vögtli

Land: Schweiz
Region:
Kategorie: Sage

Anna Vögtli, die aus bösem Verdacht ihr Vaterland Bischofszell verlassen, kam auf ihrem Irrweg nach dem aargauischen Pfarrdorf Ettiswil. Da brachte ihr böser Geist sie auf den Gedanken, Zauber mit Hostien zu versuchen. Kaum bestahl sie den Schrein, so fiel auf sie Schrecken der Tat; schwer drückte der Gott. Sie, zitternd, warf die Hostie in die Nesseln des Grünhags. Siebenblättrig sprosste eine weiße Rose, das Heiligtum tragend. Ihm neigten sich die Tiere des Feldes; umleuchtender Glanz entdeckte es der unschuldigen Hirtin. Worauf der Leutpriester mit Glockenschall, Kreuz, Fahnen, Licht und dem gläubigen Volk die Feier der Einholung bereitete. Da umfasste die glückliche Erde den Herrn. Aber ein Teil der Hostie, in schön erbaueter Kapelle, gab weit her zusammenfließenden Menschen Vergebung der Sünde, und bekräftigte dieselbe durch begleitende Zeichen.

C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen., Leipzig 1854.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchen.ch.