Die Herkunft der Erdmännlein

Land: Schweiz
Kategorie: Sage

Nicht alle Engel, die dem Luzifer anhingen und deshalb zur Strafe vom Himmel gestürzt wurden, sind zur Hölle gefahren. Gott hatte ihnen eine Frist gesetzt, innerhalb derer alle dort unten angelangt sein sollten. Es waren aber so viele an der Zahl, dass es dichte Haufen vom Himmel schneite. So kam es, dass einige schneller und früher, andere langsamer und später am Boden auffielen. Diejenigen unter den Engeln, die sich nur hatten überreden lassen und nicht eigentlich böse waren, blieben im Sturz an Bergen und Bäumen hängen.

Aus diesen sind nun nicht Teufel geworden, sondern eben Erdmännlein. Darum machte Gott die Zwerge gar listig und weise, dass sie Bös und Gut wohl erkannten und auch wussten, wozu alle Dinge gut wären. Sie kannten auch die Kraft und Tugend der Gesteine. Und so müssen sie dann bis zum Jüngsten Tage auf der Erde bleiben und wohnen in Erdlöchern und hohlen Bäumen. Manche Leute sagen, dass viele Zwerge deshalb so tückisch sind, weil sie es mit Luzifer gehalten haben und die Menschen um ihr Heil beneiden.

So hauste vor Zeiten überall im Lande an Halden und Hängen das Volk der Zwerge. Tagtäglich kamen sie in die Dörfer und Höfe herab und westen und wirkten, wo Menschen weilten. Sie halfen bei aller Arbeit in Haus und Hof, in Stall und Stadel, auf Anger und Acker, in Weide und Wald, in Hurst und Holz; hüteten Kinder, hirteten das Vieh, schafften und werkten in jedem Gewerbe. Was sie taten und was sie rieten, brachte allerwegen Glück und Segen. Endlich aber verscherzten die Menschen durch ihren Frevelsinn Kunst und Gunst der Zwerge. Die Ursache aber war diese: Sie taten das alles sehr lange, so lange, bis im Dorf die erste ABC-Schule errichtet wurde. Da haben die bösen Schulbuben bald mit Steinen nach ihnen geworfen. Und da sprachen die Erdmännlein:

„Uf und us der Erde,
d'Lüt wei spitzfindig werde!“

Die Tränen traten ihnen in die Augen, und sie wanderten aus und zogen weit nach Norden in eine neue Heimat. Kaum aber hatten die Zwerge das Land verlassen, so zerfielen ihre Höhlen, Felsen stürzten zu Tal und Erdrutsche verschütteten Weide und Wald, Matten und Äcker mit Geröll.

 

Mündlich überliefert aus Graubünden
Quelle: Götz E. Hübner und Sigrid Früh, Von Gletscherjungfrauen und Erdmännlein, Fischer TB, nach Caspar Decurtius, Märchen aus dem Oberlande, Zürich 1874

 

 

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.

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