Der kohlschwarze Hund

Land: Schweiz
Kategorie: Sage

Der alte Gemeindeweibel erzählte: «Bei euch in der Anstalt Augst ist auch nicht alles geheuer. Ja, ja, ich hab’s gesehen, da droben, ob dem Hause dort unter den Kastanienbäumen, auf der Landstrasse. Es war zur Zeit meiner ersten Amtsjahre als Wächter, anfangs der neunziger Jahre. Ich ging etwas spät vom Schulhaus her, wo Sitzung gewesen war, dorfeinwärts. Wie ich da zu den Kastanien komme, da liegt quer über die Strasse ein ungeheurer grosser, kohlschwarzer Hund mit feurigen Augen, wie ich vorher noch nie etwas Derartiges gesehen hatte. Aber ich fürchtete mich nicht und beschloss, stramm an ihm vorbei zu gehen, was ich denn auch heftig fluchend tat, ohne dass mir etwas geschah. Man muss nämlich bei den bösen Geistern — und alle schwarzen Geister sind böse Geister — nur recht millionisch fluchen, das fürchten sie und verschwinden. Aber man muss ja nicht machen, dass man mit ihnen in Berührung kommt, sonst hat man dann eine geschwollene Backe, Zahnweh oder gar den Tod.

Nicht lange nachher passiert mir ’s gleiche noch einmal. Als ich wieder an den nämlichen Ort kam, liegt der Kerl wieder dort. Da juckt es mich, grittigrätti über ihn hin zu schreiten, und schon wollte ich hiezu das linke Bein heben, als mir noch rechtzeitig der Gedanke kam: Nein, bei Gott, nur das nicht, sonst könnte der Kerl die Gelegenheit benützen, mit mir dem Teufel zuzugehen. Ich fing an zu fluchen und - ein Moment - der Hund war verschwunden. Wohin, weiss ich nicht, er war wie weggeblasen.

Herr M, dem ich das alles dann erzählte, lachte mich zuerst aus. Aber nicht lange nachher kam er zu mir und sagte: «Du hast doch recht, es ist etwas an der Sache, ich hab’s nun selbst erlebt. Schon einige Male, wenn ich jeweils nachts im Zimmer dort neben den Kastanien arbeitete, klopfte es auf einmal an den Fenstern. Ich schaute nach, aber ich sah nirgends etwas und arbeitete weiter. Nach einigen Minuten klopfte es wieder, und wieder sah ich nichts. Da geht unbedingt etwas nicht mit rechten Dingen zu.»

Augst

Quelle: P. Suter/E. Strübin, Baselbieter Sagen. Quellen und Forschungen zur Geschichte und Landeskunde des Kantons Basel, Band 14. Liestal 1976

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.

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